Es gibt Menschen, deren Engagement einen nie loslässt. Richard Gere ist so einer. Gestern haben wir uns wieder im Bundestag getroffen, wie schon so oft in den Jahrzehnten unserer Freundschaft. Und wir haben selbstverständlich über Tibet gesprochen. Über Hoffnung, über Schmerz, über das, was auf dem Spiel steht. Und es steht gerade sehr viel auf dem Spiel.
Richard ist seit Jahrzehnten Vorsitzender der International Campaign for Tibet und einer der lautstärksten Streiter für ein Volk, das die Welt gerade zu vergessen droht. Dabei gibt es ausgerechnet jetzt Grund zur Hoffnung: Am morgigen Sonntag wählen die Tibeter*innen im Exil in der entscheidenden Finalrunde ihren neuen Sikyong, den politischen Anführer, und das 18. Exilparlament. Amtsinhaber Penpa Tsering hat in der Vorwahl bereits über 61 Prozent der Stimmen erhalten. Das ist ein kraftvolles demokratisches Signal an Peking: Ihr könnt Tibet besetzen, aber nicht den freien Geist seines Volkes!
Doch während diese Wahl stattfindet, droht Tibet von der weltweiten Aufmerksamkeit zu verschwinden. Die Brandherde im Nahen Osten, in der Ukraine Ukraine, in Gaza stehen zu Recht mehr in den Schlagzeilen. Aber wir dürfen Tibet deshalb nicht vergessen. China sperrt tibetische Websites, erzwingt Mandarin als Unterrichtssprache und siedelt hunderttausende Tibeter*innen zwangsweise um. Dabei verfolgt China das klare Ziel, diese einzigartige Kultur, Sprache und Identität auszulöschen. Wer widerspricht, riskiert Verhaftung oder Schlimmeres.
Dazu kommt: Trumps USAID-Kahlschlag hat die tibetische Exilregierung ins Mark getroffen. Die CTA war zu 40 bis 50 Prozent auf US-amerikanische Hilfsgelder angewiesen. Bildung, Gesundheit, Kulturerhalt – alles steht auf der Kippe. Und Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama ist es mit 91 Jahren nicht mehr möglich, auf großen Reisen die Weltöffentlichkeit.
Über 400 deutsche Städte und Gemeinden haben in diesem Jahr die tibetische Flagge gehisst. Das ist ein wichtiges Zeichen an die Menschen in Tibet und im Exil. Europa muss jetzt in die Bresche springen, wo Amerika versagt. Wir schulden den Tibeter*innen unsere Stimme. Lauter, nicht leiser.