Heute wäre Boris Romantschenko 100 Jahre alt geworden. Er überlebte die Hölle der nationalsozialistischen Konzentrationslager: Buchenwald, Peenemünde, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen. Er überlebte den Versuch der Nationalsozialisten, Menschlichkeit auszulöschen.
Sein ganzes Leben war der Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten gewidmet. Boris Romantschenko hat immer gewarnt, wohin Hass, Lügen und Entmenschlichung führen. Mit seinem Leben stand er für das, was wir heute nicht oft genug sagen können und sagen müssen: Nie wieder.
Am 18. März 2022 wurde er in Charkiw durch einen russischen Bombenangriff getötet. Ein Holocaust-Überlebender, ermordet in einem russischen Angriffskrieg mitten in Europa.
Das ist eine bittere, schmerzhafte Wahrheit. Und sie verpflichtet uns. Denn Erinnerung ist nicht Vergangenheit. Sie ist Auftrag. Sie ist Haltung. Sie ist Teil des Widerstands gegen Krieg, gegen Geschichtsverfälschung und gegen das Relativieren von Verbrechen.
Wer „Nie wieder“ sagt, muss es auch verteidigen. Mit aller Klarheit, voller Solidarität und Menschlichkeit. Und mit dem festen Willen, dass das Leid von Boris Romantschenko und so vieler anderer niemals vergessen und niemals wiederholt wird. Über 80 Jahre nach der Befreiung Europas von der Nazidiktatur sehen wir wieder, wie Menschen diffamiert, demokratische Institutionen und die Unabhängigkeit von Gerichten und der Presse angegriffen werden. Wir sehen weltweit einen Anstieg rechter Gewalt und wie den Worten Taten folgen.
Bild: CC-BY 4.0, Szymon Kwapiszewski