Die apokalyptischen Bilder von der Sturzflut in Nepal und Tibet lassen mich nicht los. Ganze Dörfer, Straßen, Häuser und Infrastruktur wurden im Grenzgebiet zwischen dem nepalesischen Rasuwa und dem südtibetischen Kyirong weggerissen. Mehr als 150 Menschen sind tot, rund 1.500 werden noch vermisst, darunter viele Menschen aus der ganzen Welt, die dort gewandert sind. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen, bei den Vermissten und bei allen, die gerade um ihr Leben und um ihre Liebsten bangen.
Ich bin dankbar für jede Rettungskraft, die gerade unter schwierigsten Bedingungen im Einsatz ist, für die internationale Hilfe, die anläuft. Aber: diese Hilfe darf nicht davon abhängen, auf welcher Seite der Grenze man lebt. Während Nepal international humanitäre Hilfe ermöglicht, müssten die chinesischen Behörden denselben ungehinderten Zugang für humanitäre Helfer:innen auch auf tibetischer Seite gewähren. Das war schon nach dem schweren Erdbeben in Südtibet vor eineinhalb Jahren nicht selbstverständlich.
Ausgelöst wurde die Flut vermutlich durch den Abbruch eines riesigen Gletscherstücks am Himalaya – in einer Region, die zu Recht der „Dritte Pol“ der Erde genannt wird, weil dort nach der Arktis und Antarktis das meiste Eis der Welt liegt und davon die Wasserversorgung von fast zwei Milliarden Menschen in Asien abhängt. Es ist bitter, dass ausgerechnet an derselben Grenze schon vor einem Jahr eine Gletscherseeflut die wichtigste Straßenverbindung zwischen Tibet und Nepal zerstört hat.
Solche Katastrophen sind dort keine Ausnahme mehr, sondern offenbaren die tödliche Wucht der Klimakrise, die längst zur Überlebensfrage unserer Zeit geworden ist. Genau deshalb braucht es ambitionierten Klimaschutz, Klimaanpassung und Katastrophenschutz mit verlässlichen Frühwarnsystemen in gefährdeten Bergregionen und eine internationale Klimafinanzierung, die diesen Namen endlich verdient, statt immer weiter gekürzt zu werden. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit, denn am härtesten trifft die Klimakrise jene, die sie nicht verursacht haben.