Die entgrenzte Gewalt, die Collien Fernandes erlebt hat, hat mich zutiefst erschüttert. Sie steht für eine bittere Realität: Für viele Frauen und Mädchen ist Gewalt Alltag. Sie sind nicht einmal in ihrem eigenen Zuhause sicher, denn die Täter sind oft Männer aus dem engsten Umfeld. Alle zwei bis drei Tage tötet ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin, fast jeden Tag gibt es einen Tötungsversuch. Jede 2. Frau in Deutschland hat psychische Gewalt erlebt, jede 5. körperliche Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft. Und: Nur ein Bruchteil dieser Gewalt wird angezeigt und geahndet.
Es hätte sich längst etwas ändern müssen. Wir kennen die Lage, wir kennen die Zahlen, wir haben die fachliche Expertise. Aber der Bundesregierung fehlt offenbar der politische Wille, endlich konsequent zu handeln.
Und was tut Friedrich Merz? Er reagiert absolut unempathisch auf die aktuelle Debatte, anstatt seiner Verantwortung gerecht zu werden. Er interessiert sich offenbar nur dann für den Gewaltschutz von Frauen und Mädchen, wenn er ihn für rassistische Narrative instrumentalisieren kann. Dabei kennen wir doch den statistischen gemeinsamen Nenner: Die Täter sind überwiegend Männer, unabhängig von ihrer Herkunft.
Männergewalt gegen Frauen ist tief in unserer patriarchalen Gesellschaft verankert. Deshalb braucht es Prävention, Schutz und Unterstützung für Betroffene, klare strafrechtliche Konsequenzen für Deepfakes und voyeuristische Aufnahmen, ein wirksames Gewaltschutzgesetz, verlässliche Finanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen sowie eine nationale Strategie gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
Meine wirklich tolle Kollegin Lena Gumnoir hat dazu einen Gesetzentwurf zur Kriminalisierung virtueller Vergewaltigung vorgelegt. Statt herablassender Kommentare sollte sich der Bundeskanzler endlich mit diesen Vorschlägen auseinandersetzen.
Ich bin dankbar für den Mut von Collien Fernandes und für die verdammt berechtigte Wut all der Frauen, die gerade auf die Straße gehen, Druck machen und nicht nachlassen. Genau das braucht es jetzt, damit aus unserer Wut endlich strukturelle Veränderung wird.