Vom 10. bis 12. April 2026 war ich in Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens. Während meines Besuchs habe ich mich über die menschenrechtliche Lage vor Ort informiert. Gleichzeitig lernte ich die lokale Entwicklungszusammenarbeit und das kulturelle Erbe Mauretaniens kennen. Im Fokus meiner Begegnungen stand dabei auch die Frage, wie Deutschland und Mauretanien ihre Beziehungen vertiefen können. Ich habe mit Dr. Florian Reindel, dem deutschen Botschafter in Mauretanien, sowie mit Vertreter*innen internationaler Organisationen, Parlamentarier*innen, Menschenrechtsaktivist*innen und den unterschiedlichsten Menschen vor Ort gesprochen. Als Vorsitzende der Parlamentariergruppe Maghreb-Staaten habe ich mich zu einem Gespräch mit Mitgliedern der Mauretanisch-Deutschen Freundschaftsgruppe im Parlament getroffen. Ich kam aus Mauretanien zurück mit einem vollen Herzen und auch mit einem Kopf voller Bilder, die mich nicht loslassen.
Mauretanien ist ein Land, das von Armut geprägt ist und trotzdem über 300.000 Menschen aus dem vom Bürgerkrieg erschütterten Mali aufgenommen hat. Es versteht sich als „Bruderland“ Malis. Geflüchtete machen mittlerweile fünf Prozent der gesamten Bevölkerung aus und das in einem Land mit einer Armutsquote von 33,6 Prozent. Die Belastung ist groß, doch so ist auch der zivilgesellschaftliche Zusammenhalt. Das hat mich zutiefst beeindruckt.
Mauretanien ist auch eine Demokratie, die sich in einer Region behauptet, die von Staatsstreichen und islamistischem Terror geprägt ist. Als letzter demokratischer Ankerstaat in der Sahelzone ist das Land von einer strategischen Bedeutung, die in der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik viel zu wenig wahrgenommen wird. In Mali, Burkina Faso und Niger sind Militärjuntas an der Macht, während dort russische Söldner des Afrika Korps ihr Unwesen treiben. Mauretanien hält dagegen an demokratischen Strukturen fest und nutzt einen multidimensionalen Ansatz aus Bildung, Prävention sowie dem gezielten Einsatz von Frauen als Friedensstifterinnen gegen Radikalisierung.
Von diesen Frauen habe ich in Nouakchott viel gelernt. Im „Safia-Programm“, das im Rahmen des deutschen „Sahel Resilience Programmes“ gefördert wird, habe ich junge Frauen getroffen, die einen Raum gefunden haben, in dem sie gehört werden, gestalten können und eine Ausbildung erhalten, die ihnen auf dem Arbeitsmarkt echte Perspektiven eröffnet. Die Gespräche dort waren berührend und bestärkend zugleich. Diese Arbeit muss langfristig finanziert werden – über 2027 hinaus.
Gleichzeitig hat Mauretanien noch einen weiten Weg vor sich. In Mauretanien ist Sklaverei zwar gesetzlich verboten, existiert aber nach wie vor. Das sogenannte „Passif Humanitaire“, die schweren Menschenrechtsverletzungen der 1980er und 1990er Jahre gegen Schwarze Bevölkerungsgruppen, ist bis heute nicht aufgearbeitet. Ich habe mit einer Menschenrechtsanwältin gesprochen, die selbst inhaftiert war und seit Jahrzehnten für Gerechtigkeit kämpft. Ihr Blick auf das eigene Land war schonungslos ehrlich. Genau das braucht es.
Was mich auch beschäftigt: Die Lücken, die der abrupte Kahlschlag bei USAID hinterlassen hat, sind riesig. Mittel fehlen in der Gesundheitsversorgung, in der Ernährungssicherung, in der Grundversorgung von Familien. Anfang 2026 standen für das erste Halbjahr nur 44 Prozent der benötigten Mittel für die Versorgung der Geflüchteten zur Verfügung. 84 Prozent der Geflüchteten sind Frauen und Kinder – Menschen, die ohne diese Hilfe keine Nahrung, keine medizinische Versorgung, keine Zukunft haben. Das sind keine abstrakten Zahlen. Das sind Entscheidungen über Leben und Tod.
Genau darum ist es so wichtig, dass Deutschland seine entwicklungspolitische Präsenz in der Region nicht schwächt, sondern ausbaut. Die Arbeit, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gemeinsam mit der GIZ, UNHCR, UNICEF und WFP vor Ort leistet, ist nachweislich wirksam. Sie stabilisiert, sie schützt und sie baut Brücken. Wer diese Mittel jetzt kürzt, spart nicht. Er gibt Einfluss auf, den andere Akteure mit anderen Interessen gerne übernehmen.
Ich habe feste Vorhaben nach Berlin mitgenommen. Wir führen den Austausch fort: Die Mauretanisch-Deutsche Freundschaftsgruppe wird uns im Deutschen Bundestag besuchen kommen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die deutsch-mauretanischen Beziehungen parlamentarisch, entwicklungspolitisch und kulturell gestärkt werden. Und ich werde weiter laut sein, wenn Kürzungen die Menschen treffen, die ohnehin am wenigsten haben.
Mauretanien hat mich berührt. Ich werde dieses Land nicht vergessen.