Heute gedenken wir sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Und wir erinnern an all jene, die ebenfalls verfolgt, entrechtet und getötet wurden: Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, politische Gegner*innen, Kriegsgefangene und viele andere. Wir erinnern an das unfassbare Menschheitsverbrechen der Shoah und die Verbrechen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Europa.
Dieser Gedenktag ist heute vielleicht wichtiger denn je. Denn wir erleben erneut, wie faschistische Kräfte erstarken. Wie Menschen diffamiert, ausgegrenzt und verfolgt werden. Hass, Antisemitismus und Rassismus sind längst wieder lauter geworden, auf der Straße, im Netz, in Parlamenten – hierzulande, in Europa, weltweit.
Dagegen braucht es auch eine lebendige Erinnerungskultur. Eine, die Fragen stellt. Die widerspricht. Die aufklärt. Die berührt. Und dafür brauchen wir Orte des Erinnerns: Gedenkstätten, Archive, Bildungsangebote. Ihre Arbeit ist unverzichtbar. Sie zu unterstützen ist keine freiwillige Leistung – es ist eine demokratische Pflicht. Wer ihre Mittel kürzen will oder sie infrage stellt, stellt unsere Verantwortung infrage.
Und wir brauchen Kunst und Kultur. Filme, Ausstellungen, Theaterstücke, Literatur, Musik, Kunstwerke, Erinnerungstafeln im öffentlichen Raum. Sie geben den Namen ein Gesicht. Den Zahlen eine Geschichte. Sie öffnen Herzen, wo Worte allein nicht reichen. Kunst hält Erinnerung lebendig – und sie macht sie erfahrbar für neue Generationen.
„Nie wieder“ ist kein Satz aus der Vergangenheit. „Nie wieder“ ist eine Aufgabe für die Gegenwart. Erinnerung ist kein Ritual, Erinnerung ist Haltung. Sie muss gelebt werden, von uns allen. Jeden Tag. In unserem Handeln, in unserer Sprache, in unserer Politik.