Und zum Glück haben wir seit der Aidskrise der 80er und 90er enorme Fortschritte gemacht: Wir verfügen heute über lebensrettende Medikamente, unter wirksamer Therapie ist HIV nicht mehr übertragbar und Präventionsprogramme zeigen weltweit Wirkung.
Doch all diese Erfolge stehen wieder auf dem Spiel. Immer mehr Länder – auch Deutschland – streichen Mittel, die für HIV-Prävention und die Versorgung HIV-positiver Menschen lebensnotwendig sind.
Besonders drastisch zeigt sich das in der Entwicklungszusammenarbeit. Durch den Kahlschlag von USAID unter Trump wurde ein Großteil aller internationalen HIV-Programme gestoppt – darunter PEPFAR, das rund 70 % der globalen HIV-Arbeit ermöglicht. Gleichzeitig stockt die Wiederauffüllung des Globalen Fonds, Milliarden fehlen. Und im laufenden UN-Reformprozess droht sogar die Schließung von UNAIDS – dem zentralen Kompetenzzentrum, das Länder unterstützt, Daten sammelt, Prävention koordiniert und vulnerable Gruppen schützt. Laut dem aktuellen UNAIDS-Bericht könnten diese Mittelkürzungen bis 2030 zu rund 3,9 Millionen zusätzlichen HIV-Infektionen führen.
Die Folgen spüren wir bereits: PrEP-Zugänge brechen weg, in manchen Ländern um über 60 %. Kondomverteilungen sinken massiv. Frauen und Mädchen verlieren wichtige Beratungsangebote. Mehr als 60 % der von Frauen geführten HIV-Organisationen mussten schließen.
Und auch hier in Deutschland müssen Aidshilfen um ihre Finanzierung bangen. Wenn Prävention, Beratung und Behandlung unter Druck geraten – besonders für queere Menschen, Geflüchtete, Menschen ohne Krankenversicherung oder Drogengebrauchende –, ist das fahrlässig und brandgefährlich.
Eine Bundesregierung, die Gesundheit schützen will, darf nicht dort sparen, wo Menschenleben gerettet werden. Deshalb bleiben wir laut, sichtbar und solidarisch – für die Communities, für die Aidshilfen und für eine globale Gesundheitspolitik, die niemanden zurücklässt. Weder hier noch weltweit.