Heute sollte Osman Kavala in Weimar die Goethe-Medaille erhalten, eine Auszeichnung für sein lebenslanges Engagement für Kunst, Kultur und den Dialog der Zivilgesellschaft. Doch statt in Weimar zu sein, ist er seit 3000 Tagen unschuldig in der Türkei inhaftiert.
Osman Kavala ist kein Straftäter, sondern ein politischer Gefangener. Präsident Erdoğan missbraucht Justiz und Gerichte, um einen der wichtigsten Brückenbauer der Türkei mundtot zu machen. Osman steht für Demokratie, Menschenrechte und kulturelle Freiheit – und ist damit ein Feind Erdoğans. Osman Kavala ist Kunstmäzen, Unterstützer von Kulturaustausch und ein jahrelanger Partner unserer Kulturmittler, wie dem Goethe Institut.
Ich durfte Osman Kavala mehrfach begegnen und war im letzten Jahr in Istanbul natürlich auch im Austausch mit Kolleg*innen seiner Stiftung Anadolu Kültür. Dort habe ich gespürt: Seine Stimme fehlt überall, in der Türkei, in Europa, in unserer gemeinsamen Demokratiebewegung.
Dass Erdoğan selbst internationale Urteile, etwa des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, ignoriert, ist ein schwerer Bruch mit rechtsstaatlichen Prinzipien. Es zeigt, wie weit sich die türkische Regierung von Demokratie und Freiheit entfernt hat.
Bild: CC BY 4.0 // Rupen Janbazian