Heute, am 9. September 2025, gedenken wir dem Mord an Enver Şimşek vor exakt 25 Jahren. Sein Tod war nicht nur der erste brutale Mord des NSU, sondern der schreckliche Auftakt einer rechtsextremen Terrorserie, die neun Leben kostete. Enver war Ehemann, Vater, er war Mensch. An seinem Stand im hessischen Schlüchtern verkaufte er mit Leidenschaft Blumen und versorgte so seine Familie.
Auch 25 Jahre später bleibt vieles unaufgearbeitet. Die Opferfamilien leben mit dem nie endenden Schmerz, wie Semiya Şimşek eindrücklich formuliert: „Der Schmerz wird immer größer.“ Es war und ist ein gravierendes Staatsversagen: Behörden, Politik und Gesellschaft haben damals versagt, indem sie falsche Spuren verfolgten und das rassistische Motiv der Tat verkannten. Auch heute bleibt vieles im Dunkeln. Von Mitwissern, Netzwerken, Hintermännern.
Darum braucht es endlich eine vollständige Freigabe aller Akten und eine unabhängige Untersuchungskommission, die gemeinsam mit den Angehörigen und Expert*innen die offene Fragen klärt. Wir müssen offenlegen, welche Rolle Mitwisser und rechtsextreme Strukturen tatsächlich gespielt haben.
Aber genauso wichtig ist es, dass Erinnerungsorte geschaffen und Bildungsangebote gestärkt werden, damit das Leid der Opfer nicht verblasst und Teil unseres kollektiven Erinnerns wird. Und wir brauchen eine Politik, die Rechtsextremismus konsequent bekämpft – mit klaren Mitteln des Rechtsstaats, aber auch mit einer starken demokratischen Kultur in unserer Gesellschaft.
Das stille Wegsehen von damals darf sich nicht wiederholen! Mit meinem Herzen bin ich heute und jeden Tag bei Enver Şimşek und seinen Angehörigen. meine Gedanken sind auch bei den Angehörigen der anderen Opfer des NSU: Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat.
Bild: CC BY 4.0 – Philipp Baum