Heute vor 65 Jahren begann der Bau der Berliner Mauer. In der Nacht, abseits der Öffentlichkeit, riegelten Einheiten der Volkspolizei, der Nationalen Volksarmee und Kampfgruppen der DDR Ost-Berlin vom Westteil der Stadt ab.
Zuvor waren immer mehr Menschen vor dem Unrecht der SED-Diktatur über das noch offene Berlin in den Westen geflohen. Nach dem Mauerbau kostete dieser Weg in die Freiheit viele das Leben: Mindestens 938 Menschen wurden an der innerdeutschen Grenze erschossen, 255 davon allein in Berlin. Ich denke heute an ihr Leid und an all jene, die die Hoffnung auf ein ungeteiltes, demokratisches Deutschland nie aufgegeben haben.
Auch 36 Jahre nach dem Mauerfall sind die Folgen der Diktatur noch spürbar. Die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, warnt eindringlich davor, die DDR zu verklären: Je weiter sie zurückliege, desto schöner erscheine sie manchen, während ausgeblendet werde, wie das Leben unter der Diktatur tatsächlich war. Wer damals Widerspruch wagte oder sich nicht anpassen wollte, hat gelitten. Und diese Erfahrungen wirken bis heute nach, oft über Generationen hinweg, weil ihnen zu selten Raum gegeben wurde.
Ohne ein Korrektiv, etwa durch Schule oder Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, bleibt am Ende nur eine einseitige, nostalgische Erzählung übrig, während die Realität der Diktatur verschwimmt. Genau deshalb dürfen wir die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte nicht vernachlässigen, genau deshalb müssen wir im Westen mehr zuhören, wenn es um die Geschichten dieser Menschen, genau deshalb dürfen wir den Osten nicht den Antidemokraten überlassen.
📸: Bundesarchiv, Bild 173-1321 / Helmut J. Wolf / CC-BY-SA 3.0