Letztes Wochenende feierte Warschau zum 25. Mal seine Pride Parade, eine der wichtigsten Demonstrationen Europas für queere Rechte und Menschenwürde.
Ich war bei der ersten Parada Równości (Warsaw Pride) dabei, vor genau 25 Jahren: Ein paar tausend Menschen gingen auf die Straße, trotz Anfeindungen, trotz Angriffen, trotz einer Gesellschaft, die viele von ihnen lieber unsichtbar gehabt hätte. Ich erinnere mich noch genau, wie wir mit Eiern beschmissen wurden – aber vor allem denke ich zurück an die Energie damals, die unglaubliche Kraft einer Community, die sich nicht hat brechen lassen.
Letztes Wochenende haben mir die Organisator*innen einen Preis für meine langjährige Unterstützung der Parada verliehen, was mich sehr bewegt und ehrt. Und es zeigt sehr deutlich, dass es auf jede*n einzelnen von uns ankommt – wie wir füreinander eintreten, wenn Menschen angegriffen werden, weil sie lieben, wen sie lieben und leben, wie sie leben.
Und der Weg der queeren Community zeigt, wohin Beharrlichkeit führt: 2004 und 2005 verbot der damalige Warschauer Bürgermeister Lech Kaczyński die Parade, und die Community ging trotzdem auf die Straße, unter Polizeischutz. Und heute? Heute kommen 50.000 Menschen zum Warschau Pride, und im Mai 2026 wurde in Warschau erstmals eine gleichgeschlechtliche Ehe eingetragen. Was für ein historischer Moment, erkämpft durch jahrelange juristische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Menschen, die sich einfach nicht haben kleinmachen lassen. Das ist ihr Verdienst, und wir sollten ihn feiern.
Und doch ist der Kampf nicht vorbei. Queere Menschen werden angegriffen und angefeindet, LGBTQI+-Rechte stehen europaweit unter Druck als Teil einer gezielten antidemokratischen Kampagne, die mit Desinformation und Fake News arbeitet, und in mindestens sieben Ländern weltweit ist gleichgeschlechtliche Liebe noch immer mit dem Tod bedroht.
Deswegen: Lasst uns beharrlich, laut, bunt und vor allem niemals bescheiden bleiben. Ich werde weiter an eurer Seite kämpfen.
Foto: Karolina Agnieszka Król / UserZboralski, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons